Aufeinander bauen und vertrauen Aufeinander bauen und vertrauen Aufeinander bauen und vertrauen
Kristina Hammer 

Aufeinander bauen und vertrauen

27.06.2022

Mit der Bestellung von Kristina Hammer zur neuen Präsidentin setzt sich die Internationalisierung der Salzburger Festspiele fort. Die gebürtige Karlsruherin soll das weltweit bedeutendste Festival für klassische Musik und darstellende Kunst zukunftsfit machen und als Premiummarke weiter ausbauen. Im Gespräch erörtert die Salzburg-Liebhaberin inwieweit Tradition und Fortschritt voneinander profitieren, was eine gute Führungskraft ausmacht und wie viel Nachhaltigkeit in den Salzburger Festspielen steckt. Außerdem verrät Hammer, worauf sie nicht verzichten möchte und wobei sie am besten abschalten kann.

Frau Hammer, Sie sind seit Ihrer Kindheit mit Salzburg verbunden. Wie präsent sind Ihre Erinnerungen an damals, wie waren Ihre ersten Eindrücke nach Ihrem Amtsantritt zu Beginn des Jahres? Inwieweit haben sich Stadt, Land und Leute in Ihrer Wahrnehmung verändert?

„Salzburg ist für mich seit meiner Kindheit ein wichtiger Bezugsort. Ich war zunächst mit meiner Großmutter hier, dann mit meinen Eltern, später mit meinem Mann, dann mit unseren eigenen Kindern. Die Festspiele waren seit vielen Jahren ein Fixpunkt in meinem Kalender. Jetzt erlebe ich die Stadt nochmals ganz anders. Jeden Tag, wenn ich morgens zu Fuß zum Festspielhaus gehe, entdecke ich neue Facetten und sauge diese Eindrücke mit immer noch wachsender Begeisterung auf. Das gibt mir Energie für den ganzen Tag.“
© SF/Anne Zeuner
Sie wurden 1968 in Karlsruhe geboren, haben die Deutsche und Schweizer Staatsbürgerschaft, sind mit einem Österreicher verheiratet und haben sieben Jahre lang in England gearbeitet. Ist Ihr Lebensmittelpunkt zwangsläufig mit dem Job verbunden, was assoziieren Sie mit dem Begriff Heimat?

„Carl Spitteler hat einmal so wunderschön gesagt: „Da ist unsere Heimat, diese Dinge, bleiben in den Tiefen unsrer Seele.“ Heimat bedeutet für mich auch immer der Platz, wo wir als Familie sind und so wird jetzt Salzburg unsere neue Heimat.“

Sie sind promovierte Wirtschaftsjuristin, haben sich als Unternehmerin, Managerin und Verwaltungsrätin verdient gemacht und gelten als bestens vernetzte und erfahrene Marketing- und PR-Spezialistin. Können Sie sich noch an Ihren allerersten Job, an Ihr erstes selbstverdientes Geld erinnern? Worauf haben Sie in ihrer Jugend gespart?

„Mein erstes Geld habe ich mit 11 Jahren verdient, in dem ich Spaziergängern an heißen Sommertagen in der Nähe unseres Zuhauses selbstgemachte Limonade verkauft habe. Die ersten kleineren Jobs hatte ich mit 13 Jahren, weil ich unbedingt eine gute Stereoanlage mit qualitativ hochwertigen Boxen wollte. Ich habe in den Ferien Zeitungen ausgetragen, in der Registratur gearbeitet, Akten herausgesucht und ausgeteilt.“

Die Festspiele 2022 werden am 18. Juli traditionell mit dem Jedermann am Domplatz eröffnet, wie sehr kribbelt es schon und was überwiegt aktuell - die Vorfreude, oder die Anspannung ob der großen Herausforderung?

„Überall im Hause herrscht fokussierte Spannung und Vorfreude. Es geht in erster Linie darum, in der Vorbereitungszeit für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Haus sowie die Künstlerinnen und Künstler da zu sein und den Besucherinnen und Besuchern gelungene Aufführungen in diesen nicht ganz einfachen Zeiten zu bieten. Und darauf freue ich mich.“
© Breitegger Günter
Stichwort Progress – ist ein fortschrittliches Denken und Handeln als Führungskraft heute wichtiger denn je?

„Jemand hat mir einmal gesagt, eine gute Führungskraft ist nicht die, die besser als andere ist, sondern die, die es schafft, andere zu begeistern, Leidenschaft zu entfachen und zu ermöglichen, dass alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten und es auch erreichen. Es geht um die Kraft von Teamarbeit. Für die Agilität in der Durchführung der Festspiele muss man in der Zusammenarbeit aufeinander bauen und vertrauen können.“

Inwieweit können Tradition und Fortschritt am Beispiel der Salzburger Festspiele voneinander profitieren?

„Ich halte es hier mit Carl Friedrich von Weizsäcker, der sagte: „Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition.“ Tradition verlangt für mich Mut zu Neuem und zu Veränderung. Diese Mischung aus Tradition und kreativen Visionen, gepaart mit höchster Qualität, verbindet die Salzburger Festspiele mit Audi, unserem Hauptsponsor seit 1995.“

Nachhaltigkeit gilt als Gebot der Stunde, wie gehen Sie privat mit diesem Thema um und wie nachhaltig sind die Salzburger Festspiele?

„Wir achten als Familie darauf bewusst und achtsam mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen, haben Plastikeinwegflaschen vollständig aus unserem Haushalt verbannt. Ich fahre privat mit einem Hybrid und bin eine eifrige Nutzerin des Klimatickets der österreichischen Bahn. Ich bin der festen Überzeugung, dass auch die Festspiele hier eine Vorreiterrolle einnehmen müssen. Mit der Reduktion von Single-Use-Plastic und den damit verbundenen Reduktionen der CO2-Emissionen, die beim Transport von Wasser entstehen, haben die Festspiele im letzten Sommer einen ersten wichtigen Grundstein für den Fokus Nachhaltigkeit gelegt. Der nächste Schritt wird sein, dass wir auch bei der Sanierung und Erweiterung der Festspielhäuser einen entsprechenden Schwerpunkt legen, um dieses Großprojekt auch im Sinne der Verantwortung für die nachfolgende Generation zu verwirklichen. Dank Audi haben wir eine emissionsfreie Festspielflotte während des Sommers. Wichtig scheint mir, dass der Begriff Nachhaltigkeit alle drei Dimensionen erfasst – das Soziale, die Umwelt und die Wirtschaft – um deutlich zu machen, dass wir alle gemeinsame Verantwortung für unsere Welt tragen.“

Audi gestaltet die Zukunft nachhaltiger Mobilität – wie kommt das im Rahmen der Salzburger Festspiele zum Ausdruck?

„Audi leistet einen wichtigen Beitrag zu grüneren Festspielen. So besteht zum Beispiel das Shuttle-Service von Audi, das alljährlich von rund 2.500 Gäste während der Festspiele genutzt wird, seit 2020 aus rein-elektrischen Modellen. In diesem Sommer kommen zudem im Fuhrpark der Festspiele, mit dem KünstlerInnen zu Proben und Aufführungen gefahren werden, erstmals rein elektrische Modelle zum Einsatz.“
Welchen Verlockungen können Sie nicht widerstehen und wie können sie am besten Abschalten?

„Es fällt mir schwer einem guten Buch zu widerstehen. Am besten schalte ich beim Sport ab, beim Laufen, da kommen mir die besten Ideen.“

Hören Sie neben der Klassik auch andere Musikrichtungen?

„Ja, meine musikalischen Interessen sind neben der klassischen Musik, die ich sehr liebe, äußerst vielfältig: Ella Fitzgerald, Neil Diamond, Nina Simone und Pink Floyd ebenso wie Harry Styles oder Ariana Grande, letztere gemeinsam mit unserer Tochter.“

Abschließend, Sie waren Beirätin der Firma Stöckli Swiss Sports AG, dem größten Schweizer Skihersteller. Verfolgen Sie den Alpinen Skirennsport, wem drücken Sie die Daumen und wie gut stehen Sie selber am Ski?

„Als Deutsche und Schweizer Staatsbürgerin, die mit einem Österreicher verheiratet ist, bitte ich um Verständnis, wenn ich diese Frage zur Wahrung des Familienfriedens nicht beantworte (lacht). Wenn Sie meinen Mann, der während seines Studiums auch als Skilehrer gearbeitet hat, nach meinen skifahrerischen Qualitäten fragen würde er antworten: „Für ein Schwarzwaldmädel ganz ok.“
(c) Peter Rigaud
© Andreas Schaad
© Breitegger Günter